Alte Apfelsorten

AnanasReinette2Alle zwei Jahre werden vom VDL im Schleswig-Holsteinischen Landwirtschaftsmuseum in Meldorf die Apfeltage veranstaltet, bei denen man eine Vielfalt (bis zu 150) an alten Apfelsorten aus Dithmarschen und dem Norden des Landes zu sehen und zu probieren bekommt. Das Museum unterstützt die Apfeltage auf vielfältige Weise. Die Organisatoren Dr. Hans-Jürgen Paulsen und Malte Reichert versuchen, entweder für die Spätsommer- / Frühherbstsorten einen frühen Termin anzubieten, oder für die späten Sorten einen Termin Mitte Oktober. Begleitet werden die Apfeltage von den Imkern, der Baumschule Schwerdtfeger aus Warringholz, dem Apfelschiff aus Hollingstedt (Apfelsaft, alte Apfelsorten) und der Süßmosterei Deutsche Eich in Burg. Immer dabei ist auch die Meldorfer Bücherstube.

Dr. Paulsen und Malte Reichert betreuen daneben die Apfelbäume am Museum sowie Apfelwiesen in Elpersbüttel und Nindorf, die als Ausgleichsmaßnahmen entstanden sind. Außerdem sind sie dabei, alte Obstbäume in Dithmarschen zu kartieren.

 

In unserem Buch „Alte Apfelsorten im Norden“ [Apfelgeschichte(n) aus dem Norden] können nicht alle Sorten vorgestellt werden. So sollen hier in lockerer Reihenfolge weitere lokale Besonderheiten aber auch einige bei uns bewährte überregionale Sorten vorgestellt werden, die in den von uns betreuten Obstgärten einen Platz gefunden haben.

 

Apfel des Jahres 2019 Dithmarscher Paradiesapfel

Der DITHMARSCHER PARADIESAPFEL ist vom Pomologenverein zum Apfel des Jahres 2019 für Norddeutschland (SH, NS, MVP) ausgewählt worden. Vor 4 Jahren trug bereits der DITHMARSCHER BORSDORFER (auch Rosa Claussen oder Jungferntitt genannt) diesen Titel.

Im von Willi Votteler verfassten Verzeichnis der Apfel- und Birnensorten, es ist ein dickes Buch mit hunderten von Apfel- und Birnenbeschreibungen, fanden wir 1990 die Beschreibung des Dithmarscher Paradiesapfels, leider ohne Bild. Er wurde als sehr guter Tafel- und Küchenapfel beschrieben. Auf einen Artikel in der Zeitung meldeten sich mehrere Leser, die ihren Apfel für den DP hielten. Letztlich zeigte sich, dass nur der Baum im 1938 angelegten Hofgarten von Hans Claußen aus Hahnroden bei Schafstedt der richtige war.

Eine weitere Bestätigung gab es durch die im Januar 1994 aufgetauchten Fruchtmodelle aus Heide, vom Paradiesapfel waren zwei Modelle dabei. Im Nachhinein fanden wir den Apfel noch in vielen Gärten, u. a. standen auch zwei alte Bäume neben einem Prinzenapfel in Süderwisch im Dreieck Marne - Brunsbüttel - St. Michel. In dieser Gegend ist der Apfel wohl auch entstanden, vermutlich ist er ein Prinzenabkömmling mit einem Schuss Taubenapfelblut. 1859 stellte Herr Pflueg aus Brunsbüttel den Apfel bei einer Sichtungsausstellung in Kiel vor. Er erhielt zunächst den Namen Weißer Paradiesapfel, vermutlich wegen des rein weißen Fruchtfleisches. Erst etwa zwanzig Jahre später auf einer deutschlandweiten Ausstellung in Würzburg erhielt er vom Kieler Professor Seelig in Absprache mit dem damals führenden Pomologen Eduard Lucas den Namen Dithmarscher Weißer Paradiesapfel. Danach verbreitete sich der Apfel rasch über Dithmarschen hinaus. Auf dem deutschen Stand bei der internationalen Obstausstellung im Rahmen der Weltausstellung 1900 in Paris war er zusammen mit Prinz, Gravensteiner und Cox Orange der Schleswig-Holsteiner Beitrag. Noch in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde er empfohlen und vielfach gepflanzt.

Warum spielt dieser Apfel nun keine Rolle mehr? Hier einige Gründe: Einmal ist der Apfel zwar bedingt lagerfähig, verliert mit der Zeit aber sein besonderes Aroma. Bei sehr warmen Sommern bildet er nicht das volle Aroma aus, daher sind Anbauversuche weiter im Süden gescheitert. Für den Erwerbsbau ist er nicht interessant, weil der Baum bereits vor der Reife einen großen Teil seiner Früchte fallen lässt.

Wir haben Bäume in der Marsch und auf der Geest gefunden, dort sind gerade bei sandigen Böden die Bäume und Früchte zwar kleiner, der Geschmack ist aber genauso gut. Neben dem mit keinem anderen Apfel vergleichbaren Aroma ist das reinweiße Fruchtfleisch faszinierend, es wird nach dem Anschnitt auch nach längerer Zeit nicht braun. Dadurch ergibt sich ein sehr helles Apfelmus, auch beim Backen bleiben Fruchtstücke hell. Der Baum ist recht robust und bildet viel Fruchtholz aus. Daher sollte man ab und zu ältere Zweige entfernen, um die Ausbildung neuer Langtriebe zu fördern. Die Sorte alterniert in einem zweijährigen Rhythmus, ein Jahr trägt der Baum sehr viele Früchte, im nächsten nur wenige, dafür größere.

Wer mehr über diesen Apfel wissen will, kann dies und weitere Apfelgeschichten in dem Buch „Alte Apfelsorten im Norden“ nachlesen (Boyens Verlag, 14,95€). Neben der Vorstellung vieler Sorten im ersten Teil durch Klaus-Jürgen Paulsen schreiben Walter Denker über den echten Holzapfel in Dithmarschen und Malte Reichert über alte Apfelnachbildungen.

 

cardinalSchulgartenapfel

Dieser von uns gewählte Arbeitstitel steht für einen Apfel, der uns immer noch Rätsel aufgibt.

Zur Frucht: Die Frucht ist eher klein, die Schale leicht fettig, bei Besonnung auf gelber Schale mit hellroten Streifen verziert. Das Fleisch ist sehr saftig und recht süß. Er ist der ideale Kinderapfel. Leider ist die Frucht bei Reife druckempfindlich. Bei den Druckstellen verfärbt sich das Fleisch unter der Schale bräunlich, der Apfel verdirbt dann in wenigen Tagen. Man kann ihn aber zu sehr schönem Apfelsaft verarbeiten. Die Frucht reift im September.

Der Baum alterniert extrem: Ein Jahr trägt er überreich, im nächsten Jahr blüht er oft nicht einmal. Dies passt zum zweijährigen Rhythmus der Meldorfer Apfeltage, bei frühen Terminen haben wir stets sehr viele Äpfel, bei Oktoberterminen ist der Apfel allerdings nicht mehr präsentabel. Die Schale ist frei von Flecken, das Holz ist krebsfrei. Ab und zu haben Triebspitzen Meltaubefall.

Durch den reichen Fruchtbehang biegen sich Zweige nach unten, an der höchsten Stelle des Bogens wachsen dann im nächsten Jahr neue Zweige steil nach oben. Ungeschnitten wird die Krone dadurch recht chaotisch. Dies kann man durch regelmäßigen Schnitt verhindern.

Der Mutterbaum steht im Schulgarten der MGS (1985-2014), dem Hausgarten des stattlichen ehemaligen Direktorenwohnhauses. Er steht allerdings nicht im vorderen Teil, dem um 1900 angelegten, von Mirabellen nach Westen abgeschirmten Obstgarten, sondern kurz dahinter. Merkwürdigerweise steht er auch direkt an der Grenze zum Nachbargrundstück. Vielleicht ist dort ein mitgebrachtes Reis auf einen dort gewachsenen Sämlingsbaum veredelt worden. Der Apfel passt nicht zum Sortiment des vorderen Obstgartens, alle dort noch vorhandenen Sorten stammen aus dem Standardsortiment um 1900.

Vielleicht gelingt es uns, diese Apfelsorte auf einem überregionalen Apfeltag bestimmen zu lassen.

 

 


"ALTE APELSORTEN IM NORDEN" von Klaus-Jürgen Paulsen - Malte Reichert - Walter Denker
Apfelgeschichte(n) aus dem Norden  -  Ein Buch für alle Apfelliebhaber!
2017 erschienen im Boyens-Buchverlag und im Buchhandel für € 14,95 erhältlich.
ISBN 978-3-8042-1466-8

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Einladung zum Arbeitskreistreffen 18. Januar, 15. Februar und 21. März 2020

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